Handeln und Sein
episode 1: mann und frau trennen sich. dass trennung notwendig ist, sehen beide ein. grund der trennung ist, dass frau eine offene beziehung wollte. mann war grundsätzlich ok damit. frau hat ein affäre begonnen, mann kam damit doch nicht klar. hat ehrlich zugestanden, dass es damit zusammen hing, dass frau zuerst eine affäre hatte. viele monate später wird klar, mann kommt mit dieser trennung nach wie vor nicht klar. beleidigt frau, legt arschloch-verhalten an den tag. will aber eigentlich nicht so sein.
sprache: ich bin ein arschloch. diese handung gestern war ein arschloch-verhalten von mir. viele aktionen, handlungen machen unser sein aus. aber eine einzelne handlung nicht zwangsläufig. wir können uns irren, etwas als falsch einsehen, uns entschuldigen, uns ändern. meine these, viele leute verwechseln zu schnell handeln mit sein.
episode 2: person a fragt etwas zu einem thema in den sozialen medien. der post ist kompakt, klar und präzise als frage formuliert. erste reaktion ist eine reply-guy-reaktion von person b. die antwort geht null auf die frage ein, aber voll auf das thema und ist eine kritik am thema. person b (!) beschwert sich am laufenden band darüber, dass auf besagter plattform die reply-guy-reaktionen zu viele und zu krass sind. und macht es nun selbst.
und so etwas passiert uns menschen ständig. wir kritisieren das verhalten anderer leute, weil es uns stört, weil es nervt, weil es verletzt, weil warum auch immer. und dann machen wir es aber auch so. je höher man selbst die moralische messlatte mit eigener kritik hängt, je tiefer kann man entsprechend fallen, wenn es einem dann passiert, dass man selbst so handelt. und es wird einem selbst passieren. davor ist niemand gefeit.
was in beiden episoden bis heute fehlt: eine entschuldigung.