Luxusprobleme. Oder warum mich das Leben in Deutschland noch ein bisschen mehr ankotzen wird, wenn ich wieder dort bin.

Eigentlich begann mein letzter Post damit, wie fucking erholsam es ist, wieder hier zu sein. Die Erholung von “ZOMG, der Bus hat eine Minute Verspätung! Damn you, BVG!” Die Erholung von all den “MEGAZOMG, der Zug hat 23 Minuten Verspätung!!! You evilfuckingbastarddeutschebahn, you!!!” An einem Ort zu sein, wo man mit festen Fahrzeiten nicht rechnen, weil man nie genau weiß, wann der Bus jetzt wirklich kommt oder ob gerade eine Riksha vorne an der Ecke steht und wie gut der Fahrer durch den Verkehr durchkommt, ist Balsam für die geschundene durchtechnisierte-Welt-Seele.

Mal ernsthaft, was ist euer scheiß Problem? Ist die Welt schonmal untergegangen, weil ihr euern Anschluss verpasst habt und auf die nächste Bahn warten musstet? Was plant ihr denn für die reguläre Fahrzeit an Tätigkeiten ein? Läuft das nach dem Motto: “Okay, der Zug braucht zwei Stunden, das ist genau die Länge des neuen Podcasts, den spiel ich mir auf den mp3-Player.” “Hmm, der Akku meines Laptops hält 3,5 Stunden, hoffentlich krieg ich einen Steckdosenplatz, und wenn nicht, darf der Zug aber ja keine Verpätung haben.” Oh fuckadishit, der Zug hat Verspätung! Was mach ich jetzt bloß? Oh nein! Ich könnte mit meinen Gedanken allein sein. Ich könnte schönen Erinnerungen nachhängen. Oder an einen geliebten Freund oder Verwandten denken und mir eine kleine Überraschung für ihn ausdenken. Holy Mother of Crap! Gibt’s da nicht irgendein armes Würstchen im Zug, über das ich mich lustig machen kann? Puh, zum Glück hält der Akku des Telefons noch ein bisschen. Los, schnell ein paar rants über andere Menschen raushauen. Oh, na klar, ich könnte mich ja auch noch ein bisschen über schlechte Technik/ dumme Politiker/ aufregen. Aber hmmm, selber besser machen? Huiuiui, zum Glück ist der Zug jetzt da und ich hab keine Zeit mehr, mir konstruktive Gedanken zu machen, irgendwas eigenes auf die Beine zu stellen. Denn ich muss ja jetzt raus und zum nächsten Ort, an dem ich meinen Zynismus hegen und pflegen kann.

Hört doch bitte mal auf, Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf als Fehler zu definieren. It’s not a bug, it’s a feature. Unsere durchgestylte Welt mitsamt seinen Wünschen und Hoffnungen auf Ordnung und Struktur ist nur der uns alle blendende Schein, dass so etwas wie perfekte Planung jemals möglich sein könnte. Ist es nicht, denn hinter allem stehen Menschen. Du und ich. Die wir alle nicht perfekt sind. Und ja, es gibt andere Menschen auf diesem Planeten. Fucking learn to live with this.

Und damit widme ich mich jetzt weiter meinen Gedanken, Erinnerungen und Plänen für die nächste Zeit in Berlin.