Steile Thesen und der Regen.
(bild von mir, bildunterschrift war: flughafen tempelhof)
Neulich in Berlin begab es sich, dass der Lomostore eine Kiez Challenge ausrief. Mehrere Teams machten sich auf und photographierten ihren, einen Kiez. Die Informationsbeschaffung im Vorhinein war ein wenig kryptisch. Deswegen hatten wir, der scholt(alter twitter-link), der euphoriefetzen (alter twitter-link) und meine Wenigkeit, wohl irgendwie alle unsere liebsten Kieze im Kopf. Und die hießen nicht Bergmannkiez. Dorthin hat uns der Hut verschlagen.
(bild von mir, bildunterschrift war: marheinekehalle)
Der Start im Lomostore ließ sich sehr entspannt an. Sonnabend um zwölf saßen sie alle da, mit ihrem Kaffee in der Hand. Ich wie immer viel zu spät, ohne Kaffee, davon hatte ich zu Hause schon drei. (Und wenn ihr euch jemals fragen solltet, warum ich morgens zu spät dran bin: Ich trinke meine Kanne Kaffee aus.) Im Store wurde grade die Diana F+ mit Instantdingsaufsatz erklärt. Beim Blick in die Runde fallen mir die – für photographierende Runden – erstaunlich vielen Mädels auf. Ist Lomo Mädchensache? Ist experimentelles Photographieren Mädchensache? As opposed to Bildkomposition, Motivwahlen und all der theoretisch fundierte, brav geordnete, kontrollierte, knackscharfe, wertige Abbildrealismus? (Rhetorische Fragen dies sind. Die Verteilung im Raum ist 50/50. Lomo ist aus gender-Perspektive also am ehesten emanzipiert. Und das sage ich auch nur nach 1 Tag Minilomocommunity. Verbuchen wir dies also unter “Steile Thesen, die 284ste”. Aber die Frage bleibt. Warum der kontrollierte Kategorisierungswahn? Warum reden immer alle von Spezialisierung? Wo die Vielfalt des Lebens sich am allerbesten in der Vielfalt der eigenen Bilder wiederfinden sollte.)
(bild von mir, bildunterschrift war: sweeties)
Der Bergmannkiez also. Kurz denke ich, was schlimmer gewesen wäre. Ich mochte den Bergmannkiez noch nie so wirklich. Es war für mich immer das kleine Charlottenburg in Kreuzberg. Die Challenge bestand darin, zu zehn Kategorien ein Bild zu schießen, es auf Papier zu kleben und eine Beschreibung dazu zu packen. Und das ist bei “Party total” und “Hangover” gar nicht so leicht. Zum Glück gibt es das Melitta Sundström mit angeschlossenem SchwuZ und der großartigen Toilette.
(bild von mir, bildunterschrift war: toilet stars)
(bild von mir, bildunterschrift war: walking shoes)
Der schönste Moment war am Chamissoplatz. Eine junge Dame von der UdK sprach uns an. Sie macht ein Video. Jeder hält einen Zettel mit seinem Geburtsort in die Kamera. Dazu die Antwort auf die Frage, was wir auf eine einsame Insel mitnehmen würden, in ein Aufnahmegerät. Dazwischen Aufnahmen von Chucks, die durch die Straßen laufen. Stopmotion im Ergebnis. Ob wir nicht Lust hätten. Wir lachten herzlich, sagten ja und erzählten ihr von unserer Challenge. Wildes Rumphotographieren auf beiden Seiten. Die Begegnung muss einfach auf den Zettel. Zum Abschied Shoetossing für das Video. Ich nehme meine WG mit.
(bild von mir, bildunterschrift war: shoe tossing)
(bild von mir, bildunterschrift war: "zieht euch warm an")
Es war ein Tag im Niesel. Ohne Belichtungsmesser. Ohne Rosinenbomber. Mit Sesam (ja, genau, der mit dem besten Schawarma und der besten Falafel, weil mit der besten Soße, in der Gegend), Currywurst und Bergmannkiez total.
Nachtrag: An dieser Stelle noch ein Missverständnisse aus dem Weg räumender Hinweis: Alle Bilder hier sind mit meiner DSLR geschossen und, ja ihr ahnt es, bei den Farben heftigst nachbearbeitet. Ich würde vor lauter Stolz auf mich selbst an den Wolken entlang hangeln, könnte ich sowas hier analog und ohne direkten Displaycheck auf der Kamera zu Stande bringen. Kann ich aber nicht. Oder noch nicht. Nichtsdestotrotz mag ich es sehr, mit meiner Digitalen bewusst die kleinen Unperfektheiten in Bilder reinzubringen und ihre technischen Möglichkeiten entgegen sämtlicher DSLR-Empfehlungen auszureizen und gnadenlos den Analog-Stil nachzuahmen. Aber dazu werde ich in nächster Nähe nochmal was längeres schreiben.