Herzblut.
Mit Herzblut schreiben. Es geht nicht immer. Kann nicht immer gehen. Das Herz muss bluten. Zumindest an einer Stelle tröpfeln. Wir laben uns an dem Blut, das uns das Gefühl der Wahrhaftigkeit gibt. Der Schmerz, das Dunkle. Es ist ein Teil des Ganzen.
Doch wie viele von uns versuchen, das kleine Loch zu stopfen? Die Reißnähte, sie sollen zuwachsen. Eine Kruste soll sich über alles legen. Ist sie einmal da, versiegt der Quell. Lenkt das Blut in andere Bahnen.
Auf der Suche nach dem Glück schwören wir uns, die Kruste nie ganz zuwachsen zu lassen. Der stete Tropfen soll bei uns bleiben. Uns immer erinnern.
Dann vergehen Tage und Wochen, in denen die Kruste zuwächst. Es ist gut so. Die eigene Aufmerksamkeit fährt an anderen Orten Achterbahn. Das ständige Laben hat uns müde gemacht und nun ist an der Zeit, Kraft zu tanken. Das Vergessen setzt ein.
Doch an der Kruste quellt das Blut entlang. Bäumt sich auf. Will heraus. Zerstört das Gewebe. Wir erkennen den Ernst der Lage nicht. Schicken jemand anderes mit einem Pflaster vorbei. Die Achterbahnfahrt ist viel zu spannend. Das Erinnern will sich partout nicht einstellen.
Das Pflaster hält nicht. Natürlich nicht. Die Kruste bricht auf. Ein ums andere Mal. Und der Kreislauf schließt sich.