Wenn die Welt mal wieder allzu zynisch wird.
Sonntag. Mitten im Schreiben der Zwischenprüfungsarbeit. Pause. Nebenan spielt die Mitbewohnerin auf ihrem Akkordeon. In Ruhe bei den Lieblingsblogs vorbeischauen. Die Artikel lesen, die in den vergangenen Tagen untergegangen sind. Beim Philipp das Bloghouse entdecken. Und wieder ins Bewusstsein zurückrufen, weshalb wieso warum dieses ganze Rumgeblogge und was daran so wunderwunderschön sein kann.
Die Klasse 10k des Hermann-Billung-Gymnasiums in Celle bloggt im Rahmen ihres Deutschunterrichts. Die Reaktionen der Schüler in den Kommentaren bei Philipp haben mich umgehauen. Ich erinnere mich daran zurück, wie ich das erste Mal Öffentlichkeit erlebt habe. Diese Mischung aus “hui” und “OMFG”, Aufgeregtsein, Freude und Furcht zugleich, wenn jemand Unbekanntes in den Kommentaren seine oder ihre Gedanken hinterließ. Noch heute spannen sich meine Muskeln, wenn ich einen neuen Namen entdecke. “War das jetzt totaler Bullshit, den ich da geschrieben habe? Kommt jetzt wer daher und zerreißt das in der Luft? Oder hat der Mensch vielleicht – ich wage es gar nicht zu hoffen – für einen kurzen Moment einen Ausdruck seiner eigenen Emotionen in meinem Text gefunden?” Großartige Adrenalinspritzer.
Hach. Mir gehen gerade tausend Erinnerungen durch den Kopf. Meine Deutsch-LK-Lehrerin, die nicht in der Lage war, auch nur eine vernünftige Diskussion an den Start zu bringen, weil sie immer nur DIE EINE Interpretation verfochten hat. Ich glaube ja bis heute, dass sie die immer nur aus den Vorbereitungsheften abgeschaut hat und gar keine Ahnung hatte, wie man selber unterschiedliche Lesarten aus einem Text herausholen kann. Meine Englisch-LK-Lehrerin, die das genaue Gegenteil war. “Make up your mind!” Ihr war es egal, was wir aus den Themen und Texten herausgeholt haben, hauptsache die Begründung war nachvollziehbar argumentiert und mit Textstellen belegt. Meine Politiklehrerin, die zwischendrin immer wieder 1-2 Stunden Zeit gefunden oder auch einfach nur genommen hat, um tagesaktuelle Themen zu besprechen.
Hach. In Erinnerungen stöbern. Tolle Pause.
Mein persönliches Highlight beim ersten Überfliegen des Blogs war übrigens der folgende Satz:
Herrlich.