Heiligendamm – Der Auftakt: Das Camp

Mir fällt grade auf, im Titel mit Heiligendamm daherzukommen, ist dezent sinnlos eigentlich. Schließlich fand der gesamte Sonnabend in Rostock statt. Auch die nächsten Tage finden Aktionen der G8-Kritiker nicht in Heiligendamm statt. Heiligendamm ist das permanent Abwesende. Deutlich wird dies an der für Donnerstag geplanten Demo. Der Sternmarsch soll nach den Wünschen der Polizei lediglich auf bis zu 6 Kilometer an den Tagungsort heranreichen, auf Bundesstraßen mitten im Nirgendwo. Es wird wieder eine Demo für die Teilnehmenden, die Polizei und die Journalisten.

Aber es geht um die Camps. Zeltplätze, 3 an der Zahl. Am Sonnabend haben wir in Rostock übernachtet. Herr Grau hat die Stimmung dort bereits auf den Punkt gebracht.

In der Nacht gab es noch 2 Ereignisse, die mich extrem beeindruckt haben. Auf unserer Seite des Zauns, hat am Abend ein Rave stattgefunden. Unsere anfängliche Besorgnis, dieser könne uns somehow den Schlaf rauben, hat sich gegen 1 in Luft aufgelöst. Auf einmal war die Musik aus. Es gab natürlich ein paar Proteste bei den anwesenden Tanzenden. Woraufhin ein Stimme – diesmal auch für uns verständlich – verkündete, den Rave jetzt zu beenden, sei eine Konsens-Entscheidung gewesen und deswegen jetzt auch endgültig. Dabei ging es sicher in erster Linie um die Anwohner in der Gegend. Die Camp-Organisatoren haben ein dezidiertes Interesse daran, die Anwohner nicht gegen sich aufzubringen – und die Mehrheit bedenkt dieses auch in Momenten der persönlichen Bespaßung.

Am Abend gab es auf Grund der Ausschreitungen bei der Demo auch Bedenken, ob die Polizei das Camp filzen würde. Dazu hat dann kurz nach 10 ein Plenum stattgefunden, bei dem ca. 200 Leute teilgenommen haben. Es wurde besprochen, wie in solch einem Fall zu reagieren sei. Beschlossen wurde, dass zunächst alle Leute mit Kindern und all diejenigen, die nicht stark genug für eine Auseinandersetzung mit der Polizei sind, in das große Plenumszelt gebracht werden. Dieses sollte dann mit einer Menschenkette und entsprechender Deeskalationskommunikation gegen ein Eindringen der Polizei geschützt werden. Alle anderen sollten quasi dezentral rund um ihre Zelte versuchen, in möglichst ruhiger Form mit der Polizei zu sprechen.

Ja, ich freue mich schon, ab Mittwoch Abend wieder dort zu sein.