Category: zeichen und ihr (eigen)leben

language is a bitch.

Onomatopoetische Interessantheiten

Die Übersetzung mündlicher Kommunikation in schriftliche erfordert die Entwicklung und Verwendung onomatopoetischer Wörter und anderer Zeichen. Der Smilie fürs Lachen. Das “hihi” fürs Kichern. Das “argh” fürs sich ärgern. Das sind so Zeichen, die ich leicht verstehe. Sie entsprechen meinem eigenen Lautgebrauch bzw. dem meines persönlichen Umfeldes. Ich kann sie leicht auf die Schriftsprache übertragen.

In letzter Zeit sind ein paar neue Wörter hinzugekommen, die ich nicht mehr so leicht verstehe. Sie verwirren mich jedes Mal, wenn ich sie irgendwo lese. Dazu gehören:

  • gnihihi als Kichern, bei dem der seitliche Zungenrand an die hinteren, oberen Backenzähne stößt, ist ein Fall permanenter Verwirrung. Ich lese das ‘g’ immer als stimmhaften, velaren Plosiv, während mein eigener Gebrauch einen stimmlosen, verlaren Plosiv hervorbringt. “knihi” sieht jetzt aber irgendwie auch bescheuert aus.
  • muaaah (in diversen Ausführungen): Das beliebte Schenkelklopfer-”Ui, is der schlecht”-Zeichen. Ich muss hier irgendwie immer an blökende Schafe oder Kühe denken. Und das haben die meisten nun echt nicht verdient.
  • nom nom nom: Name Name Name? Aber hier geht’s doch ums Mümmeln von Essbarem? … Hach ja, Assoziationen können einen manchmal ganz schön aus dem Konzept bringen. Wie gut, dass es den Kontext gibt.
  • gna: Meine erste Assoziation galt Gnarls Barkley, aber ich wusste: Das kann nicht stimmen! Ich erkannte es dann auch recht fix als Ausdruck von Unmut (erneut besten Dank an den Kontext für die Aufklärung). Ich hab es bislang nur einmal gelesen. Ich fürchte jedoch, es wird mich immer wieder aus der Bahn des Lesens werfen.

Der Autor – wird noch lange leben.

Zumindest so lange, wie Lehrer ihren Schülern beibringen, bei einer Interpretation auch nach der Intention des Autors zu fragen.

Neulich saß ich mit einer Achtklässlerin zusammen. Als Germanistik-Studentin gab ich ihr ein wenig Nachhilfe. Im Deutschunterricht behandeln sie grade Kurzgeschichten, die sie analysieren und interpretieren. Für die Analyse/Interpretation gibt es die folgenden Gliederungspunkte:

  • Thematik des Textes
  • Strukturanalyse
  • sprachliche Mittel
  • Intention des Verfassers

Beim ersten Überfliegen krampfte sich mein Magen ob des letzten Punktes gehörig zusammen. Dann machte ich mich noch auf die Suche nach so etwas wie den zeitgenössischen Lebensumständen bzw. den Lebensbedingungen und dem Weltgeschehen zum Zeitpunkt der Textentstehung. Ich suchte vergeblich.

Hoffnung keimte in mir auf, als wir beim Punkt “Autorintention” ankamen und besagte Achtklässlerin mich verständnislos anstarrte, tief Luft holte und loslegte: “Den Punkt versteh ich nicht! Woher soll ich das denn wissen? Und was soll das überhaupt sein? Pff, total bescheuert!!!”

Ich schmunzelte, zuckte ein wenig ratlos mit den Schultern, verzichtete auf eine ausgedehnte theoriegeschichtliche Herleitung des Problems, verzichtete in Anbetracht ihres Notenspiegels auch auf rebellische “Schreib dazu einfach nix”-Aussagen und versuchte dann, mich in die Denke der Autorfanatiker hineinzuversetzen. Mehr als ein “Geh von der Thematik des Textes aus. Guck, was für Ereignisse stattfinden und ob die Figuren eine Wandlung durchmachen. Frag dich, ob’s sowas wie die Moral von der Geschicht’ gibt. Irgendwie so kannste dann was zur vermutlichen Autorintention schreiben.” kam dann auch nicht aus mir heraus. Am Liebsten wär ich tags darauf mit in die Klasse gegangen, um der Lehrerin gehörig den Marsch zu blasen.

Natürlich ist es realiter so, dass ein Verfasser sich etwas beim Schreiben des Textes denkt und somit eine bestimmte Intention dahinter steckt. Aber wozu die Frage stellen, wenn ich kaum eine Chance auf die Antwort (die Antwort des Autors nämlich) habe? Die Antwort ist reine Spekulation. Abgesehen davon führt sich die Frage im Verlauf der Beantwortung selbst ad absurdum. Denn ich habe nur den Text zur Verfügung. Also arbeite ich mit dem Text. Dann kann ich auch gleich fragen, was im Text steht. Liebe Deutschlehrer, DAS IST SO SCHWER NICHT ZU VERSTEHEN!

manmanman

Schrift, Text, Sprache und ihre Schreiber und Leser.

Es ist keine Neuigkeit, dass Sprache ein Eigenleben hat. Ein Sprecher (oder ein Schreiber) hat eine Idee, eine Intention, und möchte diese Idee in Worten ausdrücken. Daraus entsteht eine Äußerung, die irgendwann einen Rezipienten, den Hörer oder Leser, erreicht. Dabei können Missverständnisse entstehen. Der Hörer/Leser versteht eine Äußerung anders als sie vom Sprecher/Schreiber gemeint war, legt eine andere Bedeutung in die Worte, nimmt die Äußerung ernster und fühlt sich persönlich angegriffen oder erkennt umgekehrt die wichtige Bedeutung für den Sprecher/Schreiber nicht.

Kommunikation von Angesicht zu Angesicht funktioniert nach demselben Prinzip wie auch Kommunikation über Schrift (egal ob es ein literarischer Text, ein Zeitungsartikel, ein Handbuch, ein Blogeintrag oder ein Kommentar ist). Die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht – nennen wir sie direkte Kommunikation – hat den unschlagbaren Vorteil, dass Missverständnisse schneller aus der Welt geräumt werden können. Wohlgemerkt können, nicht müssen. Der Sprecher sieht dem Hörer an dessen Mimik an, wenn es ein Problem beim Verstehen gibt. Ein Stirnrunzeln bzw. zusammengekniffene Augen deuten auf Unklarheiten oder ein Nicht-einverstanden-sein mit der Äußerung des Sprechenden. Geht es in einem Gespräch um Zwischenmenschliches, um verletzte Gefühle des Sprechers und blickt der Hörer beschämt zu Boden, kann der Sprecher davon ausgehen, dass dem Hörer klar geworden ist, dass er dann jetzt mal Scheiße gebaut hat. Die Gestik und Mimik bilden einen Kontext bei jedem Gespräch, der Einfluss auf den Verlauf nimmt. Ebenso haben die Gesprächspartner schneller die Möglichkeit, Missverständnissen zu begegnen, indem sie – rein zeitlich gesehen – sofort sagen können: “Halt, du hast das-und-das falsch verstanden.” oder “Warte mal, du meinst das so-und-so?” Das alles setzt natürlich auch eine gewisse soziale Kompetenz bei den Gesprächspartnern voraus, auf den Gegenüber achtzugeben und die eigene, innere Reaktion und Meinung zu beobachten und zu benennen.

In der schriftlichen Kommunikation fehlen die beiden Aspekte Gestik/Mimik sowie direkte Antwortmöglichkeit. Schriftliche Kommunikation macht das Eigenleben von Sprache um einiges deutlicher. Der Schreiber hat eine Idee und fängt an zu schreiben. Dabei ist er auf sein eigenes Wissen um Sprache und ihre Wirkung “beschränkt”. Der Schreiber – wie natürlich auch der Sprecher – hat dabei zunächst nur die Worte zur Hand, die in seinem aktiven Wortschatz vorhanden sind. Der Schreiber hat meist mehrere Varianten, eine Idee zum Ausdruck zu bringen. Ein Text kann z.B. dezidiert polemisch oder provokant, differenziert und sachlich oder auch direkter Ausdruck der eigenen Gefühle sein. Ein Text kann genausogut auch nur der schnell dahingeschriebene Ausdruck eines Geistesblitzes sein, ohne dass darüber weiter nachgedacht wurde. Sitzt der Schreiber vor seinem Blatt Papier oder seinem Rechner, kann er darüber nachdenken, welche Wirkung seine Worte hervorrufen. Je nachdem wie wieviel Erfahrung mit Worten und deren Wirkungen der Schreiber hat, kann er abschätzen, wie sein Text ankommt, welche Emotionen hervorgerufen werden könnten – ob ein Satz z.B. Lachen oder Wut hervorruft.

Doch bei aller Sprachkompetenz kann der Schreiber eines nur sehr bedingt wissen: welche (emotionalen) Assoziationen ruft ein Text im Leser hervor.

Jedes Wort hat seine eigentliche Bedeutung (die Denotation), eine Art kulturelle, übertragene, metaphorische, uneigentliche Bedeutung (die Konnotation) UND eine ganz persönliche Bedeutung (die Assoziation). Als Standardbeispiel muss hier wieder einmal die arme, kleine rote Rose herhalten. Ihre denotative Bedeutung ist ganz simpel die der Blume. Die konnotative Bedeutung ist die der Liebe. Unzählige Filme, Bücher und Blumenbedeutungsratgeber haben diese kulturelle Bedeutung für jeden von uns festgeklopft. Die persönliche Assoziation kann mit der kulturellen Bedeutung einhergehen und z.B. mit der Erinnerung an einen Liebhaber positiv verknüpft sein. Die persönliche Assoziation kann aber auch, ganz im Gegenteil, die Bedeutung von Kitsch und einem Zuviel an Pathos haben, was zu einer ablehnenden Haltung führt.

In der direkten Kommunikation kann eine Assoziation sofort in das Gespräch eingebunden werden, d.h. thematisiert und erklärt werden. In der schriftlichen Kommunikation geht das nicht bzw. eben nicht sofort. Eine Besonderheit ist hier, dass beim Leser mehr Zeit da ist, in der der Text wirken kann, ohne dass der Schreiber auf die Wirkung Einfluss nehmen könnte. Hinzu kommt, dass Schrift nur bedingt den Kontext Gestik/Mimik in sich aufnehmen kann. Emoticons helfen dabei. Bestimmte Schreibweisen helfen dabei, wie z.B. eine überzogene, polemisierende Darstellung. Diese wird aber vom Leser nur dann als solche erkannt, wenn es eine allgemein bekannte und anerkannte Art und Weise des sachlichen Darstellens gibt, von der sich die polemisierende Schreibweise abheben kann, und diese muss dem Leser auch geläufig sein. Des weiteren ist bei schriftlicher Kommunikation oft das Problem, dass Gedanken zu kurz dargestellt werden. Eine kurze, phrasenhafte Äußerung, wie sie in Kommentaren oft vorkommt, kann schnell als “Friss oder stirb!”-Äußerung aufgefasst werden. Oder einzelne Gedankenschritte werden übersprungen, weil sie dem Schreiber als selbstverständlich vorkommen. Fast ebenso oft kann der Leser aus dem Kontext die übersprungenen Gedankenschritte herleiten. Manchmal muss der Leser raten und liegt dabei richtig. Manchmal aber muss der Leser raten und liegt dabei falsch. Und an wieder anderen Stellen erkennt der Leser nicht, dass Gedankengänge fehlen. Kann es vielleicht auch gar nicht erkennen, weil die in der Schrift festgehaltenen Argumente für sich bereits Sinn ergeben. Dann ist Missverstehen die Folge.

Heißt das jetzt aber, dass schriftliche Kommunikation grundsätzlich und immer zum Scheitern verurteilt ist? Mitnichten! Denn dann wäre auch direkte Kommunikation immer zum Scheitern verurteilt. In beiden Fällen aber gibt es genügend Beispiele geglückter Kommunikation. In beiden Fällen gibt es die Möglichkeit, nachzufragen, Unklares zu beseitigen. Das Wissen darum, dass Sprache eine Wirkung haben kann, die der Sprecher nicht intendiert, hilft bei der Klärung von Missverständnissen. Wenn beide Kommunikationsteilnehmer denn gewillt sind, diese verschiedenen Wirkungsweisen als existent anzuerkennen. Das allerdings ist eine Form sozialer Kompetenz, die in keiner Form von Schrift festgehalten werden kann.

Die Liebe in Zeiten des Poststrukturalismus.

liebe in zeiten

Ich stelle mir eine episodische Erzählung vor. Dem pluralen Gedanken folgend. Alle möglichen Formen, die unter den Begriff der menschlichen Beziehung gefasst werden könnten.

clothes and attitude.

In den vergangenen Monaten bin ich häufiger über Beobachtungen anderer gestolpert, im Kreise der heutigen Jugend gebe es so viele Emos. Anfangs stand ich diesen Beobachtungen wie ein Informationsschwamm gegenüber. Ich sog sie in mir auf, ohne eine rechte eigene Meinung zu haben. Mir war da nix übermäßiges aufgefallen. Mit der Zeit wunderte ich mich. Wo sind sie denn alle, diese Emo-Kids? Flüchten sie vor meinem verifizierenden Auge? Wollen sie unerkannt ihrer Trauer nachgehen, während sie ihr Haar in tiefes Schwarz kleiden? Müssen sie erst noch eine neue Che-Mütze kaufen gehen? Oder ein paar neue Sternchen für ihre Jacken ausschneiden?

Und dann dämmerte es mir. Die Beobachtungen anderer waren eine Übergeneralisierung. Wohl verschuldet durch die Produktpaletten großer Textilverkaufsstellen. Es gibt gar nicht so viel mehr Emo-Kids auf unseren Straßen. Viele andere sehen nur einfach auch danach aus, weil es in den Textilverkaufsstellen nunmal die Dinge gibt, die es gibt. Und weil Jugendkultur immer auch heißt, vom Businesskostüm-Look abzuweichen. Oder würde ein Emo-Kid ernsthaft zu Bloc Party oder den Fratellis abgehen?

English-experts wanted

Kennt einer ‘ne gute Übersetzung für “we’re sorry to hear”, die nicht “es tut uns leid, dass” ist? “Wir bedauern…” klingt irgendwie auch blöd.

[edit] Ein möglicher Kontext wäre übrigens folgender: Kunde hat bei Versandhaus bestellt. Lieferung hat sich verzögert, wofür das Versandhaus zwar nix kann (Schuld ist der liebe Zoll), aber dennoch soll der Kunde sich nicht vollkommen verloren vorkommen. Da ich mit unseren Kunden häufig auch eher umgangssprachlich kommuniziere, nutze ich im Englischen gerne das “we’re sorry to hear”. Ich würde dann sagen: “We’re sorry to hear you had that much trouble with your delivery.” Nur fürs Deutsche habe ich fast nur offizielle Register in meinem Textbausteinkasten. Das zum Hintergrund.

[edit #2] Huch. Da fehlte noch eine kleine, aber feine Info: Kunde hat zuerst von Verzögerung durch den Zoll erfahren und mir das mitgeteilt.

[edit #2] Danke an alle! Ich bin mit den möglichen deutschen Phrasen nicht glücklich. Aber dass ist dann wohl eins dieser Dinge, die man nicht 1:1 übersetzen kann. Nicht mit all den Konnotation in meinem Kopf. “Es tut uns leid…” – als Reaktion auf ein Gesagtes wie in “Es tut uns leid, dass das und das passiert ist.” – hat für mich etwas von Mitleid in Bezug auf ein Ereignis, das mit starken Emotionen verbunden ist. Wobei… Ein Nikotinsüchtiger, der darauf wartet, endlich den heiß ersehnten Tabak zu genießen und sich von ihm flashen zu lassen, dürfte auch einige starke Emotionen erleben…

Wenn man am wenigsten damit rechnet

und eigentlich die Hoffnung schon aufgegeben hat. Dann, ja dann kommt diese kleine Nachricht.

Himmel, bin ich aufgeregt. Hui. Das Herz schlägt nicht mehr nur bis zum Hals. Die Finger zittern sich über die Tastatur. Tiefes Durchatmen ist jetzt ein basales Muss.

Ablenkung? Ja, Ablenkung. Was geht mir seit Tagen durch den Kopf? Genau. Das Zusammenwirken der Lebensstränge. Wie in einem Roman. Die Erzählstränge laufen parallel. Parallel wie in mathematisch parallel. Sie berühren sich nicht.

Ein Strang ist realisiert in einem Seminar zur Philosophie des Geistes. Wir lesen dort viele Texte, die sich damit beschäftigen, inwiefern die Geist-Körper-Relation auf physikalistischem Wege beschreibbar sein möge. Lässt sich Bewusstsein anhand der beobachtbaren und messbaren Ereignisse im Körper beschreiben und erklären, und das dann auch vollständig? Was an unserem subjektiven Erleben von Bewusstsein lässt sich damit nicht (oder noch nicht) erfassen?

Ein zweiter Strang ist realisiert bzw. initiiert durch einen Abend vor ziemlich genau zwei Wochen. Ein Kumpel erzählte von Schrödinger’s Gedankenexperiment, woraufhin ich auf die Multiversum-Theorie gestoßen bin.

Ein dritter Strang zieht sich seit einigen Jahren durch mein Denken. Der Wille zum Wissen und der Wille zur Macht und was passiert, wenn beide ihre Ziele in verschiedenen Richtungen sehen.

Noch ein paar andere Stränge spielen hier eine Rolle. Sie ermöglichen es mir, architextuelle und sonstige transtextuelle Bezüge zu erkennen.

Das alles läuft jetzt zusammen. Straft die festgestellte Parallelität Lügen. Das alles vereint sich in His Dark Materials, der Trilogie von Philipp Pullman, deren erster Teil Der Goldene Kompass dieser Tage im Kino läuft. Ich bin erstaunt, immer noch und immer wieder, wie das Zusammenlaufen der Erzählstränge meines Lebens in der Zeit vonstatten geht. Eine seltsame Energie lässt mich als Knotenpunkt der Intertexte innerlich erzittern. So fühlt es sich an, wenn im Leser alles zusammenläuft und überhaupt erst entsteht.

Dance The Night

Ich werd schon wieder nicht müde. Stattdessen.

Mit Schrödinger’s Katzen-Gedankenexperiment beschäftigt. Kurz darüber nachgedacht, ob Schrödinger irgendwas gegen Katzen hatte. Länger darüber nachgedacht, dass die Quantenphysik und vor allem aber die Extrem-Interpretation derselben, die Multiversum-Theorie darauf hindeuten, dass der Solipsismus doch irgendwie zutrifft. Wenn Messergebnisse nur das Ergebnisse von vorher aufgestellten Theorien und den Theorien unterliegenden Symbolen (im streng zeichentheoretischen Verständnis) sind, dann sind Beobachtungen und Schlussfolgerungen, die auf eben solchen Messungen beruhen, nur eine Möglichkeit, wie es sich denn “wirklich” verhalten könne. Der Zustand eines Objektes bietet im Moment seiner Veränderung mindestens 2 mögliche neue Zustände, die das Objekt dann annehmen kann. Die Multiversum-Theorie sagt, dass sich an diesem Punkt die Universen spalten und beide Möglichkeiten in den jeweiligen Universen realisiert werden und dort jeweils real sind. Das ist konsequent, weil es die nicht-feststellbare, einzig wahre Wahrheit negiert. Es ist inkonsequent, wenn es vernachlässigt, dass eben diese Theorie von Menschen mit Symbolen innerhalb eines Paradigmas und diverserer Diskurse erstellt wurde. Wie kann aber – abseits all dessen – der Solipsismus zutreffen, wenn sowieso keiner sagen kann, wie es sich denn jetzt verhält. Wieder eigenem Denkfehler aufgesessen. Das unendliche Sprachspiel in den Regeln des Disurses ist die Konsequenz. Und das trifft auch auf die Physik zu. (Das muss jetzt keiner nachvollziehen können. Is ja auch spät.)

Schnell noch die Zahlungseingänge für Job #2 verbucht. Wer weiß, wie lange ich dann im Endeffekt doch morgen schlafen werde. (Morgen ist übrigens nach dem Aufstehen. Außer bei Geburtstagen.)

StudiVZ unterrichtet die Welt über neue AGBs, die mensch doch bitte per Häkchen annehmen oder bestätigen soll. Die FAQs dazu (mit all den unglaublichen Vorteilen für ein zukunftsgerüstetes studiVZ) sind auch schnell gefunden. Nur der direkte Link zu den AGBs will sich irgendwie nicht auftun. Interessant ist dabei allerdings, dass das Profil gelöscht wird, wenn mensch den neuen AGBs nicht zustimmt.

Daran gezweifelt, ob die Mail an einen Freund heute nachmittag vielleicht doch etwas zu harsch war. Er hat bislang nicht geantwortet. Aber das hat er in letzter Zeit selten. Wir sehen uns dann ja immer.

Festgestellt, dass Bloc Party genau das Richtige für den Moment sind. Tanzen am Rechner.

the b to the e to the c to the c to the a

where am i going. where did i come from. where am i here.

Die englische Sprache ist eine Sprache, von der gerne und immer behauptet wird, sie sei eine einfache Sprache. Eine vergleichsweise überschaubare Menge an grammatischen Regeln gehen für einen Deutschmuttersprachler einher mit jeder Menge Vokabeln, die eine phonetische und semantische Ähnlichkeit aufweisen. Nun gibt es einen Schlag Menschen – vorzugsweise aus den USA -, die es immer wieder schaffen, mein Vertrauen in diesen Grundglauben zu erschüttern: die Philosophen.

Die Philosophen der USA sind trotz ihrer Vorreiterrolle bei der semiotisch-pragmatischen Wende in großen Teilen ganz offenbar jahrelang mit Klassischer Logik getriezt worden. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass sie solch komplizierte Texte schreiben können. An der Oberfläche kommen sie auch weiterhin sehr überschaubar daher. Viele Unterabschnitte, immer wieder ein Satz zum nun folgenden Aspekt. Der Leser wird an die Hand genommen, nie allein gelassen, immer umsorgt, gehegt und gepflegt. Der Teufel jedoch steckt wie immer im Detail. Wer, wie ich, nur wenig mit dem engstirnigen Denken der zweiwertigen, extensionalen Logik mit ihrem geradezu lächerlichen Wahrheitsbegriff anfangen kann, fasst sich bei den Argumentationslinien alle paar Zeilen dezent an die sich runzelnde Stirn. Da werden hanebüchene Beispiele konstruiert, nur um sie gleich im Anschluss als Argument für die jeweilige These anzuführen. Da werden Gedankenexperimente gebastelt, anstatt auch nur einmal, ein einziges Mal auf die Ergebnisse anderer Disziplinen zu schauen, um von dort her Inspirationen und Denkanstöße zu bekommen. Da wird standhaft an dem Glauben festgehalten, ein Begriff dürfe ja nicht und um keinen Preis dieser Welt mit den Begriffen des Begriffs erklärt werden. Und wenn dann doch mal eine analytische Untersuchung des in Frage stehenden Begriffs ansteht, wird diese mit einer Dilettanten-Semiotik durchgeführt, dass sich mir regelmäßig die Fußnägel aufrollen.

Fürchterlich! Mit sowas muss ich mich rumschlagen! Ich bin ein Kind der Postmoderne. Ich bin bislang in den Genuss von zwei Staatssystemen und drei Währungen gekommen. Es gibt für mich keine Wahrheiten, die aus sich heraus ‘natürlich’ wären. Sie erscheinen immer nur im geltenden Paradigma ‘natürlich’. Und dann sitze ich da als Grundstudiumsstudent in einem Proseminar, soll das Denken der Philosophie lernen, bin permanent hoheitlich verwirrt und kann meine Zweifel nur seltenst in eine Kritik verpacken, die vom Dozenten akzeptiert würde. Ständig sitze ich da und überlege, welche meiner sprachsystematischen Überzeugungen mich nun wieder vom Verständnis des besprochenen Textes abhalten. Überlege, welches Denksystem da dem Philosoph innewohnt, um fair zu bleiben und erstmal seine Theorie zu verstehen. Doch ich scheitere jedes Mal. Keine 90 Minuten dieser Welt reichen aus für dieses Dilemma.