Category: freuden der virtualität

Namensfragen.

Es gibt da diesen Namen, bestehend aus Vorname und Familienname, den ein jedes Staatskind in seinem Staatsdokumenten stehen hat, und sei es auf der Geburtsurkunde. Mit Aufkommen von Internet, web2.0 und all den socializing tools gingen viele dahin und wählten sich einen weiteren Namen, unter dem sie nun in der Netzöffentlichkeit präsent sind.

Nun ergab es sich im Laufe der Zeit, dass (aus der Perspektive des Netzpseudonyms?) der Staatsdokumentenname die Bezeichnung “Klarname” erhielt. Wiesoweshalbwarum? Auf diese Frage habe ich nicht wirklich eine Antwort. Ich weiß einzig die Bedeutung, dass es eben der Name auf dem Perso ist. Aber so richtig Sinn macht das mit dem “Klarnamen” nicht für mich. Schließlich steht mein Pseudonym ja auch klar lesbar hier überall rum. Man stelle sich nur mal vor: “**** ****** und ihr leben”. Das wäre ja ein heilloses Kuddelmuddel, wenn mehr als 3 Leute im Netz aufeinander treffen. “Hey 4Stern-Leerzeichen-6Stern. Hab grad von 8Stern gehört, dass 4Stern-Unterstrich-3Stern morgen auch dabei ist.” Neeneenee.
Aber ich will mal nicht so sein. Eine Erklärung bzw. Motivation für die Kreation “Klarname” kann ich mir durchaus zusammenreimen. Das Wort “Pseudonym” enthält in seiner Bedeutung, dass der zugehörige Mensch seinen Staatsdokumentennamen verdeckt halten möchte. So, wie eben auch die Sternchen all unsere Passwörter bei der Eingabe verdecken. Werden bei der Passworteingabe die Zeichen nicht durch Sternchen (oder Punkt) verdeckt, erscheinen sie in Klarschrift. Da ist der Weg zum “Klarnamen” dann auch nicht mehr so weit. Aber unbefriedigend bleibt er als Bezeichnung dennoch irgendwie…

Nicht viel anders verhält es sich für mein Gefühl mit dem “Realnamen”. Das Woher ist schnell geklärt. Es gibt die gängige Unterscheidung zwischen dem virtuellen Leben und dem Realleben. Was dem virtuellen Treiben sein Pseudonym oder Nickname ist, ist dem echten Leben sein Realname.
Mein Problem hier: Wo ist die Grenze zwischen virtuellem und realem Leben? Wenn ich blogge, twittere, skype usw., dann ist das höchst real für mich. Nun will ich keineswegs bestreiten, dass die Leiblichkeit der körperlichen Anwesenheit einen Unterschied im sozialen Miteinander macht. Macht sie nämlich definitiv. Allein die Möglichkeit, Mimik und Gestik in ihren Nuancen in die Kommunikation miteinzubeziehen, hat einen eminenten Einfluss auf die Entwicklung eines Gesprächs. Aber ist die Kommunikation via Bits’n'Bytes darum irrealer? Nein, nur anders. Real bleibt sie nach wie vor. Schließlich ist die Hardware, auf der das alles stattfindet, ja auch physikalisch vorhanden.

Dann hätten wir da noch den Bürgerlichen Namen. Als Alternative für den Namen, den uns unsere Eltern aufgedrückt haben, ist er aber auch eher unbefriedigend. Ich muss hier immer an Kritik aus dem Lager der Linken denken – am Bürgertum und am staatspolitischen Bürgerbegriff und den Auswirkungen auf Erwünschtheit im Lande.

Damit hätten wir dann also 3 Bezeichnungen: Klarname, Realname, Bürgerliche Name. Alle drei sind doof. Alternativen fallen mir jetzt auch nicht aus dem Zuckerhut. Bleibt’s also erstmal beim Gemecker.

"Der Blog" und der Weg der Menschen dorthin.

Es lodert ein kleines Feuerchen in Blogdorf. Nicht stark, es ist mehr so ein Schwelbrand, der gelegentlich ein paar Flammen züngeln lässt. Das Feuerchen lodert bei den Verfechtern der grammatikalischen Neutralität des Mediums, in dem wir uns alle hier tummeln. “Blog” hat seine etymologischen Wurzeln im Weblog, welches wiederum in Anlehnung an das Logbuch der Schiffer entstand. “Logbuch” oder “Log” ist eindeutig sächlich, das “Weblog” ebenso. Nur beim Blog hält sich die Verwendung des maskulinen Artikels standhaft neben dem neutralen. Die Verfechter des Neutrums sagen dann bei Gelegenheit auch gerne, “der Blog” sei falsch.

Dem deskriptiven Linguisten in mir rollen sich ob solcher Sickschen, sprachnörglerischen Urteile kurz die Zehennägel auf. Google’s Index wirft für “das Blog” rund 788.000 Ergebnisse aus. Für “der Blog” sind es mit 827.000 Ergebnissen nicht wirklich viele mehr. Wie kann etwas “falsch” sein, was von so vielen Sprechern gebraucht und von noch mehr verstanden wird?

Doch wie kommt es eigentlich, dass “der Blog” überhaupt in den Gebrauch Eingang gefunden hat? Ist es die pure Sprachgeschichtsvergessenheit? Wohl kaum. Die Etymologie ist mittlerweile weitgehend bekannt und dennoch: der Blog lebt.

Die Ursachen liegen – wie so oft – in der Sprache sowie im Sprachgebrauch selbst. Wesentlich häufiger als der direkte Artikel im Nominativ wird “Blog” im Sprachgebrauch mit dekliniertem Artikel (“Das findest du bei XY im Blog.”) oder in Sätzen mit Possessivpronomen (“Wie XY in seinem Blog schreibt, …”) verwendet.

Das Deutsche zeigt bei den Flektionsformen des Neutrums nur wenig Individualität im Vergleich zum Maskulinum. In weiten Teilen zeigt es dieselben Formen. Insbesondere der Dativ hat durchgängig die gleichen Formen im Neutrum wie im Maskulinum. “Mein Baum” wird zu “meinem Baum” (“in meinem Baum”), “mein Haus” zu “meinem Haus” (“in meinem Haus”). “Der Baum” wird zu “dem Baum (in dem Baum/ im Baum)”, “das Haus” wird zu “dem Haus (in dem Haus/ im Haus)”. Beim Verweis auf Inhalte wird durch die häufige Verwendung der Präposition “in” (die den Dativ erfordert) also eine grammatikalische Form verwendet, die per se keinen Rückschluss auf das grammatikalische Geschlecht des Nomens zulässt. Da das Maskulinum trotz aller postmodernen Schriften noch immer das unmarkierte Genus ist und also zuerst gedacht wird (natürlicher erscheint), greift der geneigte Sprecher zum Maskulinum, wenn er/sie/es in den Nominativ wechselt.

Damit verknüpft dürfte auch ein diskursiver/ kultureller Aspekt sein. Blog – im Gegensatz zu Weblog – trägt einen wesentlich schwächeren Verweis auf das Logbuch in sich. Das Logbuch spielt in unserer Gegenwart auf Grund der geringen gesellschaftlichen Relevanz der Schifffahrt (im Vergleich zu Bahn und Flugzeug) eine ebenso seltene Rolle in unserem Sprachgebrauch. Die Assoziationskette Blog-zu-Logbuch drängt sich nicht gerade von selbst auf. Das einsilbige “Blog” erscheint eher als eigenständiger Neologismus als es beim zweisilbigen “Weblog” der Fall ist, weil hier “-log” als Teilwort mit der Pause zwischen dem “b” und dem “l” gesprochen wird. Der/das Blog verliert mit zunehmender sprachlicher Reduktion seine an der Oberfläche materialisierte Geschichte. Auf der anderen Seite aber ist es ein Spiegel der sich verändernden Verwendungsweisen des Mediums “Blog”. Der logbuchartige, chronologische Charakter wird im Verlauf der Gewohnheit immer un-präsenter. Das Hinzufügen diverser Widgets mit weiteren Inhalten neben dem zentralen Bloginhalt (den Posts), Unterseiten, magazin-artige Layouts und Strukturen usw. pluralisiert die Blogs, verändert ihren Charakter. Anders gesagt, die Erscheinungen der Blogs verlieren mehr und mehr ihren logbuchartigen Charakter.

[Nachtrag] Mit bestem Dank an Anatol Stefanowitsch aus den Kommentaren gefischt: Ein weiterer sprachlicher Grund für die Verwendung des männlichen Artikels liegt sicher auch in der lautlichen Nähe des “Blogs” zum “Block”, die sich mit der Auslautverhärtung im Deutschen (‘g’ wird zu ‘k’) noch verstärkt. “Block” ist maskulin und per Analogieschluss ist der Weg zu “der Blog” nicht mehr weit.

[Nachtrag, die Zweite] Im blog.institut1 wurde das Thema nun auch verhandelt. Die Verbindung vom Holzklotz zum Notizblock lässt sich historisch vermutlich nicht so richtig direkt ableiten. Aber die implizierte These, dass “das Blog” und “der Blog” über diverse Umwege denselben Ursprung haben, gefällt mir.

Und es geht doch.

Gestern erschien in der FAZ (auch im Print?) von Thomas Thiel der Artikel “Wer bloggt so spät durch Nacht und Wind? – Eine Reise durch die Blogosphäre”. Es ist eine Reise zu den Menschen, die hinter Blogs stehen. Persönliche Gespräche zum Warum?Wieso?Weshalb? stehen im Vordergrund. Ein aus der Beobachtung gewonnenes Wissen um die Vorgänge in der deutschsprachigen Blogosphäre begleitet die Darstellung dieser Treffen. Gänzlich unaufgeregt und ohne Häme bietet es den Außenstehenden einen Einblick in einen Teil dessen, was wir hier tagtäglich (er)leben.

via

Musikblogs auf der Tanzfläche.

Am heutigen Abend gibt es im Berliner Magnet einen – an sich typischen – Konzert- und Tanzabend. Das Besondere? Veranstalter sind Musikblogs. brrrln und vrstrkr kümmern sich um die Bespielung. Mehr zum Whip It Good-Abend auf den Blogs und der Magnetseite.

Linkschleuder

Eine Fotoserie aus Mumbai.

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Artikel mit großartigen Anfängen, die Erste:

Und ich sach noch: Bitte nicht auf diese E-Mail antworten

Bekanntlich gibt es einen Planeten, auf dem alle verlorenen Kugelschreiber sich einfinden, um dort geruhsam ihren Lebensabend zu verbringen.

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Artikel mit großartigen Anfängen, die Zweite:

Gestern gab es mal wieder eine neue Botschaft von Osama Bin Laden. Und weil die Dinger medial saugut abgehen, hat er heute gleich noch eines seiner berüchtigten Audios hinterhergejagt. Nun könnte man das ganze ja als lästiges Generve eines Kriminellen abtun, hätte es nicht weltweite Auswirkungen. In unserer Redaktion sorgt der Bursche jedenfalls für reichlich Diskussionsstoff, denn eins ist klar: Ohne Medien könnte Osama seinen Laden dicht machen.

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Ein Browser, den mensch gar nicht oft genug bewerben und verlinken kann: Opera. Ja, er stellt einige Seiten nicht korrekt dar, die Cookie-Handhabung ist etwas tricky und es ist immer gut, Flock in der Hinterhand zu haben. Doch Opera hat einen unschlagbaren Vorteil: Es kann Hindi interpretieren. Von wegen Leopoard-CD einlegen und indigene Schriftfamilie (oder wie das heißt) nachinstallieren. Das heb ich mir auf meine ersten Schreibexperimente am Rechner. Und dass Safari die Schriftzeichen des Hindi ebenfalls interpretieren kann, ist mir jetzt auch mal dezent schnuppe.

Onomatopoetische Interessantheiten

Die Übersetzung mündlicher Kommunikation in schriftliche erfordert die Entwicklung und Verwendung onomatopoetischer Wörter und anderer Zeichen. Der Smilie fürs Lachen. Das “hihi” fürs Kichern. Das “argh” fürs sich ärgern. Das sind so Zeichen, die ich leicht verstehe. Sie entsprechen meinem eigenen Lautgebrauch bzw. dem meines persönlichen Umfeldes. Ich kann sie leicht auf die Schriftsprache übertragen.

In letzter Zeit sind ein paar neue Wörter hinzugekommen, die ich nicht mehr so leicht verstehe. Sie verwirren mich jedes Mal, wenn ich sie irgendwo lese. Dazu gehören:

  • gnihihi als Kichern, bei dem der seitliche Zungenrand an die hinteren, oberen Backenzähne stößt, ist ein Fall permanenter Verwirrung. Ich lese das ‘g’ immer als stimmhaften, velaren Plosiv, während mein eigener Gebrauch einen stimmlosen, verlaren Plosiv hervorbringt. “knihi” sieht jetzt aber irgendwie auch bescheuert aus.
  • muaaah (in diversen Ausführungen): Das beliebte Schenkelklopfer-”Ui, is der schlecht”-Zeichen. Ich muss hier irgendwie immer an blökende Schafe oder Kühe denken. Und das haben die meisten nun echt nicht verdient.
  • nom nom nom: Name Name Name? Aber hier geht’s doch ums Mümmeln von Essbarem? … Hach ja, Assoziationen können einen manchmal ganz schön aus dem Konzept bringen. Wie gut, dass es den Kontext gibt.
  • gna: Meine erste Assoziation galt Gnarls Barkley, aber ich wusste: Das kann nicht stimmen! Ich erkannte es dann auch recht fix als Ausdruck von Unmut (erneut besten Dank an den Kontext für die Aufklärung). Ich hab es bislang nur einmal gelesen. Ich fürchte jedoch, es wird mich immer wieder aus der Bahn des Lesens werfen.

Ein Pinguin auf Reisen

Wie kommt eigentlich der Pinguin des Tierpflegers in das Heim des Hundehalters Schulz?

Entdeckungen der letzten Tage.

Icke bin ja grade auf der Suche nach Blogs aus Indien. Und da sind mir unterwegs ein paar herzallerliebste Posts untergekommen.

Im nordindischen Neu Delhi mit seinem subtropischen Klima leben Mensch und Affe Seite an Seite. Da leben auch Mensch und Skorpion Seite an Seite. Oder Mensch und Schlange. Oder Mensch und Gecko. Aber die sind ziemlich faul und hängen einfach nur dumpf an der Wand rum. Und Skorpione und Schlangen suchen das Weite, sobald ein Mensch schnellen Schrittes die Erde erbeben lässt. Ganz anders die Affen. Frech wie die Sau entern sie Häuser und Taschen und kramen alles an Essen raus, was nur ansatzweise nach Essen riecht. Kekse sind da sehr beliebt, wie ich gehört habe. Momentan is’ aber wohl richtig krass… monkey mayhem – a boy from india.

Wer als IT-Fachkraft arbeitet, kommt gelegentlich auf sonderbare Ideen… Love Marriage VS Arranged Marriage – The IT Perspective – Shashidhar Kumar.

Ihr glaubt, Moses ist beim Wandern durch die Wüste ein brennender Baum untergekommen ist? Mitnichten! Hier ist der Beweis, dass Wissen die Wahrnehmung beeinflusst und nicht andersrum… Die Wahrheit hinter dem brennenden Busch. Wer gleich konvertieren will, bitte hier entlang in die Church of the Flying Spaghetti Monster.

Blogs aus Indien und Island gesucht.

Ich suche grade Blogs von Menschen, die in Indien und Island leben. Also nicht gleichzeitig oder abwechselnd oder so. Mehr so Blogs von Menschen aus Indien und Blogs von Menschen aus Island. Ich mach mich auch selber gleich auf die Suche. Aber vielleicht hat ja wer ‘nen netten Tipp. Thanks in advance.

Das Leben in klein.

Den Feedreader leer lesen ist manchmal wie ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben, kondensiert in ein paar Stunden. Ein kleiner Ausschnitt aus dem guten Teil des Lebens. Heute zum Beispiel. Da wurde herzlich gelacht, mitgelitten (Essen vom Finger lecken um zu probieren, ist eine genauso schlechte Idee nach dem extensiven Zermahlen von Chili), verwirrt gestarrt, zustimmend genickt (immer gut, wenn Menschen zugeben können, dass sie dann jetzt mal Mist gebaut haben), ein bisschen kleine Kunst bestaunt, nochmal zustimmend genickt (obwohl das ein Fall für Hingehen und laut beschweren ist – aber mach ich ja auch äußerst selten), nochmal und gleich zwei Mal herzlich gelacht, Wolken bestaunt (Ich liebe Wolken!) und den täglichen Schlag Neuigkeiten aus der Technikwelt abgeholt.