Category: beobachtungen

Einfach mal komplett ausrasten.

Streiten hilft. Ende der Durchsage.

Und dann gibt es Menschen,

denen möchte ich sagen: Halt durch! Du denkst “von allem ein bisschen und nichts richtig, das ist doch kackscheiße!” Klaro, das versuchen sie uns allen einzureden. Mach! Entscheid dich! Spezialisier dich! Bring was zu Ende! Logo. Ist ja auch ein gutes Gefühl. Mal was zu Ende gebracht zu haben. Aber um welchen Preis. Und kannst du dich dann noch wirklich darüber freuen? Dreht sich doch eh alles im Kreis. Auf jedes Töpfchen ein Kröpfchen. War so, ist so und wird immer so bleiben. Einsehen und darauf aufbauen, das ist die Devise. Kleine verängstigte Kaninchen gibt es genug in diesem Land.

Für dieses “von allem ein bisschen” gab es mal eine anerkannte Lebensbezeichnung. Sie nannte sich Universalgelehrter. Klingt null sexy und wer will schon den ganzen Tag hinter Büchern versiffen. Das wiederum ist jetzt totaler Bullshit, weil man als Universalgelehrter ja auch in Laboren und der großen, weiten Welt und in der Kneipe an der Ecke rumhing. Die sexy Variante kommt mehr so aus dem 20. Jahrhundert und nennt sich… ja wie eigentlich? Die Menschen, die sich einen Dreck um Ausbildung, Karriere und den ruhigen Lebensabend scheren. Mal hier, mal dort. Mal dies, mal das. Immer wieder von vorne. Immer das, wofür das Herz grad schlägt. Wie serielle Monogamie fürs ganze Leben.

(Irgendwo hörte ich neulich, dass serielle Monogamie der größte Bullshit unserer Zeit sei. Eine Selbstlüge sondergleichen. Oder irgendwas in der Art. Wer die Sendung (ja, ich glaube, es war im Fernsehen) zufällig auch gesehen hat, möge sich erinnern und die Begründung in den Kommentaren hinterlassen.)

Aber zurück zur Verwertbarkeit unserer Ichs. Der Glaube, ohne Spezialisierung, ohne sich-Festlegen, kommen wir zu nichts mehr, setzt sich mehr und mehr durch. Aber wer hat das fucking Recht zu behaupten, dass das für alle Menschen auf diesem Planeten gelte. Was hab ich davon, wenn ich an meinem Spezialgebiet ersticke. Einzig mein Dealer freut sich darüber. Also auf zum Nächsten. Denn am Ende des Tages ist das hier mein Leben.

Bis der Kreis sein Ende findet.

Es war ein Plädoyer. Nicht aufgeben. Erst das Eichhörnchen, dann der Aufstieg. Dazwischen ein Mäandern mit Straßenkino, Sterni und Sozialstress. Zerbrechen an und in dieser Stadt. Bis sie dich wieder aufbaut. Zerstört. Wieder aufbaut. Wieder zerstört. Wieder aufbaut. Kein Ende in Sicht. Es ist nie nur die Stadt. “Die Stadt” ist eine Ausrede. So billig wie dein Tabak. Für immer die Menschen. Inklusive dir selbst.

Kleine Fetzen und noch kleinere Krümel kreuzen deinen Weg. Der Klangteppich wird runder. Die Höhen und Tiefen schließen sich zusammen und leiten dich in stroboskopverzerrte Gedankenwelten. Die Synapsen finden für einen kurzen Moment Ruhe. Sind mit anderem beschäftigt. Die Neuordnung der Dinge. Ein Rhythmus fernab des Gewohnten. Alles durcheinander bringen. Abschied von dir selbst.

Heraus aus dem Dunkel. Das letzte Bier. Die kälteste Stunde. Sonnenaufgang und die gemeinsame Fahrt nach Hause. Zwischen den Häuserreihen der tieforangene Ball. Es verschlägt euch die Sprache. So oft schon gesehen. Wieder der Gedanke, dass dies der Moment ist, auf den immer wieder alles hinausläuft. Ein erschöpftglückliches Gesicht blickt in ein anderes erschöpftglückliches Gesicht. Sein sanftes Lächeln gibt die Gewissheit, dass alles gut ist. So verschieden eure Leben. So ähnlich eure Gefühle. Die Hoffnungen. Das Verzweifeln. Im Park hängt der Tau an den Baumwipfeln. Das Fahrrad knarzt. Die Vorhänge ziehen sich zu.

Am nächsten Morgen sitzt du mit Kaffee und Zigarette am Küchentisch. Der Dreck ist aus dem Gesicht gewischt. Die ersten Emails haben das Postfach verlassen. Das Zittern begleitet unaufhörlich alles.

Ein kleiner Junge aus Petershagen.

11. Klasse. Morgens um acht zur 1. Stunde. Wir warten auf unsere Lehrerin. Auch ein paar aus der Klasse fehlen noch. Allesamt Leute, die mit der S-Bahn zur Schule kamen. Wir haben wahrscheinlich vermutet, dass eine Bahn ausgefallen ist oder Verspätung hatte. Wir haben gewartet, uns unterhalten. Irgendwas.

Dann betrat unsere Lehrerin den Raum. Sie gehört zu den Menschen, denen man die innerliche Verfassung kaum ansieht. An diesem Tag stand ihr die Erschütterung ins Gesicht geschrieben. Sie beginnt zu erzählen. Der Regionalverkehr war unterbrochen. Auch die S-Bahn war davon betroffen. In Petershagen, ein Dorf weiter. Einige von uns wohnten auch dort.

Ein Junge wurde an diesem Morgen von einer Regionalbahn erfasst. Er ist dabei gestorben. 28 Köpfe haben 1 Bild vor Augen. Der breite Bahnübergang diesen kurzen Weg hinter dem S-Bahnhof. Sie berichtet weiter. Der Junge war auf dem Weg zur Schule. Die Bahnschranken waren heruntergelassen. Das sei sicher. Aber weil so lange kein Zug kam, sei der Junge einfach rübergegangen.

Die Regionalbahn hält nicht in Petershagen. Entsprechend schnell fährt der Zug an dieser Stelle. Vor meinem Auge der an dieser Stelle breit angelegte Bahnübergang. Nichts, was man mit ein paar Schritten und in ein paar Sekunden überqueren könnte. Die Schranken noch ein Stück hinter den Bäumen. Links und rechts kaum etwas zu sehen. Ich denke an meine eigenen Erfahrungen mit diesem Bahnübergang. Die Schranken gehen runter, lange bevor etwas passiert. Man steht da und fühlt sich verarscht. Und selbst dann dauert es noch ein paar Augenblicke bis der Zug vorbei rauscht. Der Versuch zu verstehen. Ja, so etwas ähnliches könnte in dem Jungen vorgegangen sein.

Zurück im Klassenraum. Ich blicke in die umliegenden Gesichter. Erschütterung auf allen von ihnen. Stille, die im Hintergrund wabert. Im Vordergrund ein Gespräch zwischen der Lehrerin und ein paar Schülern. Ich weiß nicht mehr, was ich dachte oder fühlte, nachdem mein innerer Erklärungsversuch halbwegs zu einem Ergebnis gelangt war. Aber aus meinem Gesicht war die Erschütterung gewichen. Das weiß ich, weil meine damalige beste Freundin und Banknachbarin mich fragte, ob mich das denn nicht auch bewegen würde. Ich weiß nicht mehr, was ich genau sagte. Ich weiß noch, dass ich ihr meine gewichene Erschütterung nicht erklären konnte. Und ihre Reaktion. Zorn, noch mehr Erschütterung und der dahingehauchte Satz, dass sie mir wünscht, dass so etwas nie meinen eigenen Kindern passieren möge. Sie sagte das mit all dem Unverständnis über meine unnahbare Haltung in diesem Moment. Mit all dem Zorn über den unnötigen Tod dieses kleinen Jungen, der sich nun gegen mich richtete.

Die Erschütterung indes wollte sich auch dann nicht wieder einstellen. Ich musste an die zigtausend Kinder denken, die jeden Tag unnötig sterben. Weil auf der Welt zwar genug Nahrung vorhanden, diese aber ungleich verteilt ist. Weil Medikamente zu unfassbaren Preisen verkauft werden, obwohl die Pharmaunternehmen ihre Forschungsausgaben längst wieder drin haben. Ich musste daran denken, dass der unnötige Tod dieser zigtausend Kinder nicht auch nur annähernd dieselbe Erschütterung hervorruft, wie dieser kleine Junge aus Petershagen, der über den Bahnübergang geht, obwohl die Schranken unten sind, und dabei von einem Zug erfasst wird.

Und bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, wieviel Zynismus auf wievielen Ebenen in diesem Gedanken steckte, bei mir selbst und in dieser Welt, ging der Unterricht und der Alltag für uns alle weiter.

leaves me speechless.

hammer, wie krass unterschiedliche menschen die gleichen gefühle & gedanken haben. die, die ganz tief drinnen stecken. die, von denen man dem gerade erst kennengelernten menschen bei sonnenaufgang erzählt. weil man das eine glas wein zuviel hatte. weil da dieses schlüsselwort war. ein wort, das andere so selten benutzen. und dann auch noch in genau diesem einen tonfall. die worte, die mit dem schlag in die magengrube eine vertrautheit herstellen, die jahrzehntealte freunde nie erfahren werden.

strange days.

Reales Alter: 29.
Gefühltes Alter: 23.
Und dann kommt da eine Horde 18- bis 20-jähriger Touristen die Straße entlang und du fühlst ganz genau die 10 Jahre Unterschied.

Motive.

Motive und die Motivauswahl sind gerade mein ganz persönlicher Alptraum. In einer gefühlten Schnappschnussmentalität gefangen. Wie gesagt, es ist ein Gefühl. Allzu schlimm kann’s nicht sein, da es Menschen gibt, die meine Bilder gut finden und in seltenen Fällen sogar in ihren Blogs verlinken – auch wenn es sich mal nicht um einen Spruch von Bronko handelt. Aber zufrieden oder gar glücklich bin ich darum mit meiner Photographie, mit meinem Ansatz keineswegs.

Alles schonmal dagewesen. Und jetzt?

Jetzt mal Butter bei die Fische. Zu jedem Zeitpunkt in der wieviel(?)tausendjährigen Menschheitsgeschichte kann einen das Gefühl überkommen: Hatten wa schonmal! Aaaaalt! Und keine drei Sekunden später kommt irgendwas des Weges, das das verheißungsvolle Etikett “neu” verdient. Doch die Russischen Formalisten am Beginn des 20. Jahrhunderts haben es bereits messerscharf erkannt: Neu ist hier nichts, allenfalls anders oder ungewohnt kombiniert. Und die Wahrnehmung, dass etwas anders/neu/ungewohnt ist, hängt immer davon ab, was der Einzelne bislang und speziell in den letzten Jahren hauptsächlich wahrgenommen hat. Ein unüberschaubares Konglomerat an tagtäglichen Eindrücken hinterlässt seine Spuren in uns. Prägt uns und unsere Einstellungen.

Icke nun also an dem Punkt, an dem das alles nicht das Wahre ist. Und wie so häufig an diesem Punkt ziehe ich den Telefonjoker und gönne mir ein Gespräch zwischen bewusstem Umgang und eigenem Handeln. Auf den Wegen sich selbst im Blick behalten und die Herausforderung suchen. Zum Gewohnten nein sagen. Zum Ungewohnten Ja sagen. That’s the Plan.

andere menschen.

du bist viel zu nett. und das steht mal fest: nett ist die kleine schwester von scheiße. also fühlst du dich scheiße. weil du eigentlich diese riesenportion wut in dir trägst. wut, die keinen bestimmten grund hat. wut, die die beschissenheit der dinge zum anlass hat. du könntest dir einzelne menschen rauspicken und sie die ganze zeit ankacken. manchmal passiert das auch. aber du bist zu clever. du weißt haargenau, dass das ungerechtfertigt ist. und fühlst dich wieder scheiße.

zur hölle mit ungerechtfertigt. einfach mal unbestimmt in den raum reinpöbeln. andere machen das auch. aber nur weil andere das machen…? auch dafür bist du zu clever. du weißt, dass das das zusammenleben nur unnötig vergiften würde, wenn alle das täten. aber was dich noch mehr fertig macht, ist der neid. der neid auf menschen, denen es für den moment egal ist, was passiert. die denjenigen “dann fickt euch doch” entgegenrufen, die mit dem rumpöbeln nicht klarkommen.

du trägst sie in dir, diese wut auf die beschissenheit der dinge. aber du bist viel zu gut erzogen. du hast deine affekte unter kontrolle.

Intuition(en).

Die schlechten Erfahrungen und der Reim darauf, der sich wie ein Klumpen Rahm am Falschenhals ablagerte. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse, sie stinken schon wieder nach Missverständnis. Die von der Sorte drei Meilen gegen Wind. Wieder kämpft die Intuition (sie hat immer recht! Fuckingverdammtnochmalimmer!) gegen das, was sich als Intuition tarnt, aber falsche Wahrnehmung sein könnte. Und dann stehste da und weißt nicht, wasde machen sollst. Egal, erstmal ‘n Bier.

Intuition. Dieses Ding, dieses Bauchgefühl. Es strahlt manchmal Wärme aus. Körperlich spürbare Wärme. Daneben Angst. Die kann das auch ziemlich gut mit dem Wärme-in-der-Bauchgegend-ausstrahlen. Überlegen, was von beidem sich zur Hölle nochmal wie anfühlte. Scheiße. Schon wieder vergessen. Also alles beiseite legen und mit was anderem weitermachen. Prost!

Norbert und Helga.

Norbert hatte eine Vorliebe für Weihnachtsdekoration. In mehreren Kisten fanden sich Weihnachtsmänner. Auch Helga hatte eine Vorliebe für Weihnachtsdeko. Bei ihr fanden sich dazu noch jede Menge Osterhasen. Norbert bekam Post aus der ganzen Welt. Seine Freunde sind rumgekommen. Die letzte Karte von 2006. Ein Gruß zum Geburtstag aus Kuba. Helga hatte ein Faible für Schreibmaschinenband. Und einen alten Fön, der die perfekte Requisite in einer Jetsons-Verfilmung abgeben würde.

geburtstagsgrüße aus kuba

from the jetsons