Month: Januar, 2009

Der (richtig offene) Schlagabtausch kann beginnen.

So. Nun also geht es los. Pro Reli hat die Unterschriften und das Volksbegehren kommt. Hier zwei weitere Links rund um die Debatte. Ich werde sicher kaum alles in seinen Einzelheiten hier verfolgen (dazu ist mir meine Gesundheit viel zu wichtig). Aber Updates wird es immer wieder geben.

Bei der Initiative Pro Ethik (Gegründet im Mai 2008 als Gegenbewegung zu Pro Reli) finden sich eine Vielzahl an Materialien und Argumenten für den gemeinsamen Ethikunterricht.

Spiegelartikel zu Stephan Frielinghaus. Frelinghaus (Pfarrer der Gemeinde Französischer Dom) ist einer der Unterstützer der Gruppe Christen pro Ethik (Untergruppe bei Pro Ethik). Er sprach sich vielfach dafür aus, den Status Quo und damit den gemeinsamen Ethikunterricht für alle beizubehalten.

Herzlich Willkommen in meiner neuen Bleibe

Irgendwann in 2007 habe ich mir die Domain hier besorgt. Und dann auch erstmal beiseite gelegt. Ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wie mein kleines Eigenheim aussehen solle. Ich bloggte weiter vor mich hin und ließ es unter der Oberfläche rumoren. Es rumorte und rumorte, alle paar Monate blubbte was nach oben und zum Jahreswechsel war es nun soweit. Mein Design wurde geboren. Mein Baby. Dieser Header. Wooaaah.

Aber der Reihe nach. Mein Dank geht an Philipp für den ersten Layoutentwurf, der hier im Kern enthalten ist. Darauf folgten Plan und Umsetzung der Graphikelemente. Jeeez, wieviele brushes sets gibt es eigentlich auf diesem Planeten…? Das Rennen machte invisible snow‘s “urban scrawl”. i luv it! Aber ich glaube, das erwähnte ich bereits. Das Theme hat dann der Jeriko erstellt und auch sonst geduldigst alle Fragen und Änderungswünsche ertragen. Danke! Aber der dreiköpfige Affe funktioniert darum trotzdem nicht… Und zu guter Letzt konnte ich mit einem Plugin von Justin Watt auch meine alten Blogger-Posts nach dem Import funktionabel machen – finally.

Und sonst? Ich bin jetzt auch endlich im Besitz von so ‘ner schnuckeligen, kleinen Digitalkamera (thanks mum!). Weshalb ich jetzt auch so ein schnuckeliges, kleines tumblrdingens habe.

Danke für die Aufmerksamkeit. Viel Spaß weiterhin.

Julia Franck zur Debatte um den Religionsunterricht in Berlin

Mit denselben Gedanken zur Notwendigkeit einheitlicher Wertevermittlung in unserer pluralen Gesellschaft und darüber hinaus zur Gefahr einer Partikularisierung der Berliner Schullandschaft schreibt Julia Franck im Spiegel:

Ob sich dem gesellschaftlichen Wandel und der Dialogfähigkeit junger Menschen in unserer Gesellschaft etwas hinzufügen lässt, indem die Religionsgemeinschaften im Rahmen der staatlichen Schulpflicht ihre Kinder getrennt voneinander in Glaube und Werten unterrichtet, darf gefragt werden. Dabei ist die Konkurrenz von Staat und Religion weder natürlich noch erforderlich. Insbesondere in einer globalisierten und pluralen Gesellschaft sollte jeder deutsche Schüler etwas über unterschiedliche Religionen, ihre Geschichte, Weltvorstellung und Ausübung lernen.

via BitBoutique und sebaso

Pro Reli? Oder doch lieber Pro Selber Nachdenken?

In Berlin läuft gerade die Kampagne “Pro Reli!”. Sie hat zum Ziel, dass in den Schulen wieder sowohl Religion als auch Ethik parallel als Schulfach angeboten wird und die Schüler selbst entscheiden können sollen, was sie wählen. Kurz zum Hintergrund, weshalb es in Berlin keinen Religionsunterricht gibt nur freiwilligen Religionsunterricht gibt – im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern.
Im Grundgesetz, Artikel 141 wird ein Sonderstatus für Berlin und Bremen festgelegt:
“Artikel 7 Absatz 3 Satz 1 findet keine Anwendung in einem Lande, in dem am 1. Januar 1949 eine andere landesrechtliche Regelung bestand.”
GG Art. 7, Abs. 3, S. 1 besagt: “Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.”
Für Berlin besteht demnach keine gesetzliche Pflicht, Religion anzubieten. Es wird auch immer noch als freiwilliges Fach angeboten und seit 2006 gibt es das für alle Schüler gemeinsame Pflichtfach Ethik.

Die Schüler sollen nun also selbst entscheiden können. Klingt gut, nich? Im Anliegen von Pro Reli heißt es u.a. “Daher muss ein auf die ethische und moralische Bildung junger Menschen ausgerichteter Unterricht nach deren Grundüberzeugungen differenzieren.” Und genau hier frage ich mich: Wie ausgeprägt bzw. wie bewusst und reflektiert sind die Grundüberzeugungen eines 11- bis 12-jährigen, wenn er/sie am Beginn der 7. Klasse zwischen Ethik und Religion wählt? Sind es wirklich die Grundüberzeugungen der Schüler oder nicht doch eher der Familie/ des Umfeldes, in dem der Schüler lebt?
Der Schlusssatz des Anliegens lautet: “Gleich ob evangelische oder katholische Christen, Moslems, Juden oder überzeugte Atheisten, sie alle sollen und müssen die Möglichkeit erhalten, die Grundlagen ihrer eigenen[!] Überzeugung kennen zu lernen und damit das eigentliche Fundament ihrer ethischen und moralischen Vorstellungen zu legen.” (Hervorhebungen von mir)

Sorry, aber hier entlarvt sich die Initiative selbst. Wem daran gelegen ist, dass Kinder und Jugendliche selbstbestimmt ihre weltanschaulichen Grundlagen legen, der muss den Schülern die Möglichkeit geben, die verschiedenen Weltanschauungen und Religionen differenziert und möglichst in einem neutralen Umfeld kennenzulernen, um sich auf dieser differenzierten Basis zu entscheiden. Das beinhaltet auch, die Überzeugungen des privaten Umfeldes überhaupt erstmal als solche zu identifizieren und desweiteren distanziert und in Relation zu den anderen Anschauungen betrachten zu können. Alles andere ist Beeinflussung durch Familie/ privates Umfeld und nur eine andere Form von Bevormundung.

Und das ist genau der Punkt. Die Initiative wirbt damit, die Bevormundung der Schüler durch den Staat (aka Berliner Senat) aufheben zu wollen. Aber was kommt anstelle dessen? Ich will gar nicht bestreiten, dass es Kinder gibt, die im Übergang von der 6. zur 7. Klasse bereits in ihrem Glauben stehen und mit Toleranz anderen Menschen (aka Anschauungen) gegenübertreten. Aber ich behaupte, diese Herangehensweise an Menschen mit anderen Überzeugungen (anderem Aussehen, anderen Fähigkeiten, whatever) ist stark bedingt durch eine entsprechende Erziehung. Nicht die Religion per se oder das Wissen um seine eigene Religion (wie die Initiative übrigens in einem Werbespot behauptet) macht Menschen tolerant. Es sind vermittelte und vorgelebte Werte und Normen, die das eigene Handeln beeinflussen.

Dies wird (und muss laut Grundgesetz) sicher auch im Religionsunterricht vorgelebt und vermittelt werden. Aber gehen wir mal einen Schritt weiter. In Deutschland gibt es nicht nur die Menschen christlichen Glaubens, sondern auch jüdische, islamische (um mal die Großen zu nennen) und ebenso diejenigen, die komplett ohne Religion aufwachsen und leben. Die Initiative umfasst all diese Richtungen – das muss man der Initiative auch mal zu Gute halten. Aber wie sieht die Konsequenz in Schulalltag aus? Für 2 Stunden die Woche werden die Klassen in 4 oder mehr Gruppen aufgeteilt. Dort kocht dann jeder sein eigenes Süppchen und am Ende treffen alle wieder im Schulhof aufeinander.

Der Schritt, den der Berliner Senat 2006 ging, mit einem Fach Ethik alle Schüer in einen Klassenraum mit angeleiteter Diskussion durch den Lehrer zu bringen, war ein fortschrittlicher. Es wird nach wie vor niemand an der Ausführung seiner Religion gehindert. Aber es wird jeder in der gemeinsamen Entwicklung von interkultureller Kompetenz gefördert.

Wenn ich mir so Bewegungen wie die Neue Bürgerlichkeit oder die Forderung der CDU/CSU, den christlichen Glauben im Grundgesetz zu verankern, oder jetzt eben Pro Reli anschaue, dann wird für mich nur eins deutlich: Das Gefühl ist ein weitverbreitetes, dass in unserer Gesellschaft sinnvolle und friedenserhaltende Werte und Normen als Handlungsansweiser im Alltag verloren gehen. Hier aber muss eine Diskussion ansetzen, die Ethik und Moral über die Glaubensgrenzen hinweg und für alle Menschen gleichermaßen behandelt. Wir leben in einem Umfeld der Pluralität und auf einem Fundament von Demokratie, Gleichheit und Toleranz.

Zig verschiedene Religionsfächer anzubieten, ist nur eine Scheingleichbehandlung. Zig verschiedene Religionsfächer ermöglichen es nicht, allen Schülern gleichberechtigt und in gleichem Maße das gleiche Wissen zu vermitteln. Das aber muss passieren, wenn wir unser Grundgesetz wirklich ernstnehmen und Gleichberechtigung sowie freie Entfaltung der Persönlichkeit das große Ziel ist.

Der Einsatz von Sicherheitspersonal schafft sich seine Vorfälle selbst.

Vergangenen Sonntag in der M10. Am Frankfurter Tor stieg ich ein und setzte mich. Rechts standen zwei Herren von, ich glaube, securitas (die, die auch immer für die S-Bahn arbeiten), links auf einem Einzelplatz ein Mann Mitte Vierzig. Als ich mich setzte (die Straßenbahntüren waren noch offen), sprach der Mittvierziger zu einem anderen Mann im gegenüberliegenden Vierereck. Er sprach laut, schrie aber nicht. Er beugte sich ein wenig nach vorne, aber machte keine Anstalten, dem anderen Mann irgendwie zu nahe zu kommen. Sein Blick glitt zwischen Vierereck und Sicherheitspersonal hin und her. Ich ahnte: Da kommt was. Sicherheitsleute haben schließlich den Auftrag, alles in Schach zu halten, was nicht bei drei der Ruhe-hier-Mentalität entspricht.

Und es kam schneller als ich dachte. Die Türen schlossen sich und der Mittvierziger – den Augenkontakt mit den Sicherheitsleuten haltend – sprach in Richtung Vierereck sowas wie: Ja, jetzt wo die Türen zu sind, jetzt legen sie los. Das ließ sich Sicherheitsmensch Nr. 1 nicht zweimal sagen. “Hören Sie bitte auf, die anderen Fahrgäste zu belästigen.” Das ging dann so ein bisschen hin und her. Es kam die unweigerliche Frage nach dem Fahrausweis. Diesen wollte der Mittvierziger nicht zeigen, da er sicher war, dass ihm der Fahrausweis weggenommen würde. Dann wieder ein bisschen hin und her und die Aufforderung der Mittvierziger solle doch bitte an der nächsten Haltestelle aussteigen. Der Mittvierziger weigerte sich erst (er hatte ja nichts getan), dann wollte er freiwillig gehen, dann weigerte er sich wieder. Am Bersarinplatz angekommen (er weigert sich gerade), nahmen ihn die beiden Herren von der Sicherheit unterm Arm und trugen/zogen/begleiteten ihn hinaus. Eigentlich schon draußen, zog der Mittvierziger aber dann noch die Notbremse. Der Straßenbahnfahrer wartete jetzt, bis die Polizei (eine Wanne!) da ist. Draußen wurde der Mittvierziger noch ein bisschen weiter laut und offenbar auch ausfällig lt. Polizeipressemeldung.

Ich habe keine Ahnung, was passiert ist, bevor ich eingestiegen bin. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass der Mittvierziger einfach nur ein bisschen vor sich hin und in Richtung eines anderen Fahrgastes loserzählt hat. Vielleicht ein bisschen Verschwörungstheorie. Vielleicht ein bisschen was über eingesetztes Sicherheitspersonal.
Losplappernde Menschen gibt es alle Nase lang in einer großen Stadt. Da passiert auch selten mehr. Irgendwann steigen alle aus und gut ist. Grundsätzlich ist so eine zeitlich begrenzte Gemeinschaft sehr gut in der Lage, Menschen auszuhalten, die der durchschnittlichen Mentalität von ins-Gespräch-kommen-dürfen nicht entspricht.

Beide Seiten haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Von Deeskalation auf Seiten der Sicherheitsleute war nicht viel zu merken. Aber auf dieser Seite muss sie ausgebildet sein und angewendet werden (meine Meinung, keine Ahnung, wie die BVG das sieht). Ich kann mir gut vorstellen, wären die beiden Sicherheitsleute an diesem Abend nicht in der Straßenbahn gewesen, es gäbe keine Polizeimeldung “Straßenbahnfahrgast wurde rabiat“. Ich behaupte, außer Genervtsein wäre bei einigen Fahrgästen wohl nichts passiert.